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Freda Stender mit Sommersprossen und roten Haaren
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Hautretusche – weniger ist mehr

Glatt, glatter, am glattesten – mehr als die Bildaussage scheint mir heutzutage „der perfekte Look“ im Vordergrund zu stehen. Und Perfektion heißt: glatte Haut. Dazu wird gefiltert und geschraubt, was das Zeug hält, Weichzeichner, Stempel, Hochpassfilter, Bearbeitung einzelner Kanäle. Puppengesichter. Na, ja, schön sieht das schon aus, aber irgendwie auch ziemlich austauschbar. Oder?

Ich finde ja individuelle Gesichter sehr viel spannender. Gesichter, in denen zu sehen ist, was sie schon erlebt haben. Oder Gesichter, die von Natur aus „anders“ sind. Okay, ich stehe total auf Sommersprossen! Witzig ist, dass meine Modelle ihre Sommersprossen immer selbst verflucht haben. Bisher habe ich noch keine Frau mit Sommersprossen getroffen, die nicht sehnsüchtig einer glatten Haut hinterhergeseufzt hat.

Mir sind die glatten Gesichter zu sehr schön und zu wenig individuell; Sommersprossige sind immer individuell. Und auch Menschen mit Falten haben allein mit ihrem Gesicht eine Menge zu erzählen – gelebte Geschichte, die sich in den Gesichtern spiegelt. Lachfältchen hinter den Augen, Mundwinkeln, die Glück oder Enttäuschungen spiegeln.

Nachdem ich das Portrait eines reiferen Modells mal mit dem Klarheit-Filter von Lightroom glatter gezogen hatte, kommentierte sie das Ergebnis, damit, sie sähe ja jetzt aus wie ein Filmstar. Und das meinte sie durchaus verächtlich. So unrecht hatte sie tatsächlich nicht. Ich finde auch, dass Hautretusche oft überbewertet wird und oft die eigentliche Bildaussage überdeckt.Wie seht Ihr das?