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Leobar - Blick in eine Cocktailkneipe
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Leobar – Kneipenportrait in einer Stunde

Journalistische Photographie hat immer schnell zu sein. Schwierig wird das, wenn klassische Hemmnisse auftauchen, beispielsweise große dunkle Räume, wie sie in der Gastronomie die Regel sind. Werden die zu hell ausgeleuchtet, geht die Atmosphäre kaputt, zu wenig Licht sieht gedruckt selten stimmungsvoll aus, sondern eher schlicht unterbelichtet.

Beim Portrait der Leobar im Hamburger Grindelviertel ist der Spagat gelungen: Das Flair ist erhalten geblieben, und durch die Personen im Vordergrund mit den hellen Hauttönen wirkt das Bild trotzdem gut durchzeichnet. Der „Trick“ ist sogar ganz einfach. Eine 60×60 Zentimeter große Softbox leuchtet die beiden Personen mit einem relativ weichen Licht aus, das in den Vordergrund gezogene „Sofa“ wirkt dabei aus Raumteiler. Dazu kommt lediglich ein Spot in einem sehr steilen Winkel von unten auf die Flaschen, so dass die auch auch noch von hinten in die Szene strahlen. Trotz des engen Ausschnitts lassen die dunklen Ecken noch die Tiefe des Schankraums erahnen.

Mit Auf- und Abbau war die Szene in kapp einer Stunde im Kasten. Die Zeit reichte sogar noch für das Close-Up des Cocktail-Knüllers in der Leobar: der „Leo bleu“, ein Cocktail, in dem „Blue Curacao“ sein Comeback feiert.

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Der Cocktail stand in einer Schüssel mit Eis auf dem Tresen, so dass der Spot dahinter nur umgedreht werden musste. Der optische Effekt ergibt sich aus drei einfachen Schritten: Mehr Cyan in der ohnehin schon blauen Farbe, Entfernen der roten und gelben Anteile im Eis und Erhöhen der Schärfe des gesamten Bildes. Das führt zum frischen, eisgekühlten Lecker-Look.

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Einfach eindrucksvoll – Hautretusche umgekehrt

Einfach ist ganz schön schwierig – wird gesagt. Ich behaupte, dass einfach meist einfacher ist als gedacht. Eindrucksvollen Bildern liegen ganz simple Rezepte zugrunde, denn die Botschaft eines Bildes wird meistens über die abgebildete Person übertragen. Licht und Location bilden lediglich die Würze. So weit, so grau die Theorie. Trotzdem finde ich, dass zu viel in Photoshop gemacht wird. Das geht besser, wenn die Vorbereitung gründlich erledigt wird.

„Football auf Teufel komm raus“, war der Claim für den ich das Photo liefern sollte – zusammen mit meinem befreundeten Kollegen Marc Behmer. Auftraggeber waren die Hamburg Blue Devils, das Hamburger Football-Team, das damals noch in der Bundesliga gespielt hat. Puuuh, ja, eine Stunde nachgedacht, dann war es klar: Wo steckt der Teufel? Im Detail. Ja, da auch. Aber am liebsten hinter Gittern. Also musste ich einen Käfig auftreiben. Findet man. In Hamburg sowieso, na, logo, auf dem Kiez. Zwei SM-Clubs musste ich lediglich abklappern, um meine Traum-Location zu finden.

Im berühmten Club „de Sade“ war ich nämlich schon am Ziel. Ein dickes Gitter mit noch fetterem Schloss davor versperrte eine Art gemauertes Verlies – einfach ideal, genau das hatte ich gesucht. Der Kontakt zum Blub-Besitzer war sogar echt easy, auf der verschlossenen Tür hatte der Name des Besitzers gestanden, im Telefonbuch fand ich seinen Anschluss. Witzigerweise wohnte der sogar im Nachbarort und war sehr schnell bereit, seinen Club zwei bis drei Stunden für uns zu öffnen. Das Budget war begrenzt, aber kleines Geld konnten wir für die Location sogar erübrigen; im übrigen hätten wir für eine qualitativ mindestens gleichwertige Postproduktion mehr ausgeben müssen. Für den Dreck im Gesicht, also ein wenig Make-up, haben wir uns von einer Kosmetik-Schule eine Azubine besorgt. Solche Kontakte kann absolut jeder ambitionierte Photo-Amateur ebenso knüpfen. Wichtig war aber das Modell.

Football-Spieler sind in der Regel ganz nette Jungs, aber wir brauchten einen, der die Zähne fletschen konnte. Und wollte! Den haben wir dann auch gefunden. Das Photographische dagegen war absolut simpel.

Mit einer 60×60 Zentimeter großen Softbox habe ich einfach hochfrontal ausgeleuchtet. Ich wollte so wenig Licht wie möglich machen und habe sogar auf einen Aufheller von unten verzichtet. Dadurch kamen die Reflektionen auf dem Metall und der alleinige Spot in den Augen noch besser heraus. Der Spot im Auge unterstreicht das Irrwitzige der Szene. Ich habe die Softbox am unteren Rand sogar noch leicht abgeschattet, um das Licht auf die Stirn etwas zu begrenzen. Durch das weiße Trikot war gesichert, dass die Belichtung am unteren Bildrand nicht abreisst. Unser Modell war durch und durch kernig drauf, so dass wir mit rund 20 Einstellungen das Motiv im Kasten hatten. Eine ganz schnelle Nummer also. Die Retusche mit dem Schmiss auf der Stirn und den gebogenen Gitterstäben gelang ebenfalls im Handumdrehen. Diese Hautmanipulation war übrigens das Tüpfelchen auf dem i und hätte vielleicht gar nicht Not getan.

Zum Ziel geht’s auf zwei Wegen: Die Konturen können mit hartem Pinsel freihändig gezeichnet werden. Die Illusion ergibt sich aus den harten Kanten, die wie tiefe, schwarze Wunden aussehen und die rot aufgepinselten Hautpartien, die wie rohes Fleisch wirken. Die rote Farbe, die die Nase herunter läuft verstärkt den Eindruck. Einfach mal ausprobieren. Picassoähnliche Fähigkeiten sind da gar nicht gefragt, nur ein wenig Gefühl. Die Kanten müssen auf jeden Fall hart sein. Aber das Gesamtbild ergibt sich tatsächlich erst in der Vorstellung des Betrachters.

Wer mit dem freihändigen Malen Schwierigkeiten befürchtet, geht den zweiten Weg: Einfach eine Hauswand oder ähnliches mit einem Riss photographieren und die Ebene auf die gewünschte Partie des Gesichts legen. Die Risse dann noch nach Wunsch in Größe und Form anpassen, und fast fertig. Je nach photographierter Struktur wirkt diese auch im Composing intensiver oder weniger intensiv als Wunde. Die blutigen Rinnsale müssen aber in beiden Fällen aufgemalt werden. Für beide Wege gleichermaßen gilt natürlich, dass die Ebenen individuell mit dem Hintergrund verrechnet werden müssen. Abdunkeln, Ineinanderkopieren oder Multiplizieren ergeben unterschiedlich realistische Effekte. Die gebogenen Gitterstäbe sind natürlich Ergebnisse des Verflüssigen-Filters.

Wer geübt ist, ist mit der Post-Produktion in einer Stunde durch und hat eine täuschend echt aussehende Gruselhaut gezaubert. Aber diese Wunde ist wirklich auch zu vernachlässigen. Eigentlich wirken vor allem die Augen irre überzeugend, und die metallene Optik mitsamt dem Schloss des Gitters bestimmen den Gesamteindruck. Soll heißen: Investiert mehr Zeit in die Suche nach Locations und richtig krass überzeugende Models.

Freda Stender mit Sommersprossen und roten Haaren
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Hautretusche – weniger ist mehr

Glatt, glatter, am glattesten – mehr als die Bildaussage scheint mir heutzutage „der perfekte Look“ im Vordergrund zu stehen. Und Perfektion heißt: glatte Haut. Dazu wird gefiltert und geschraubt, was das Zeug hält, Weichzeichner, Stempel, Hochpassfilter, Bearbeitung einzelner Kanäle. Puppengesichter. Na, ja, schön sieht das schon aus, aber irgendwie auch ziemlich austauschbar. Oder?

Ich finde ja individuelle Gesichter sehr viel spannender. Gesichter, in denen zu sehen ist, was sie schon erlebt haben. Oder Gesichter, die von Natur aus „anders“ sind. Okay, ich stehe total auf Sommersprossen! Witzig ist, dass meine Modelle ihre Sommersprossen immer selbst verflucht haben. Bisher habe ich noch keine Frau mit Sommersprossen getroffen, die nicht sehnsüchtig einer glatten Haut hinterhergeseufzt hat.

Mir sind die glatten Gesichter zu sehr schön und zu wenig individuell; Sommersprossige sind immer individuell. Und auch Menschen mit Falten haben allein mit ihrem Gesicht eine Menge zu erzählen – gelebte Geschichte, die sich in den Gesichtern spiegelt. Lachfältchen hinter den Augen, Mundwinkeln, die Glück oder Enttäuschungen spiegeln.

Nachdem ich das Portrait eines reiferen Modells mal mit dem Klarheit-Filter von Lightroom glatter gezogen hatte, kommentierte sie das Ergebnis, damit, sie sähe ja jetzt aus wie ein Filmstar. Und das meinte sie durchaus verächtlich. So unrecht hatte sie tatsächlich nicht. Ich finde auch, dass Hautretusche oft überbewertet wird und oft die eigentliche Bildaussage überdeckt.Wie seht Ihr das?