Pin-up-Photo mit dem Model Maria, das kniet.
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Pin-up: die klebrige Verführung

Irgendwie bleibt der Blick doch immer dran kleben: am Pin-up. Was macht so ein Pin-up aus, wie bekommt Ihr so etwas hin? Einigermaßen einfach! Ihr müsst nur richtig hinschauen lernen. Wie Ihr das Licht setzt, ist dabei eher nebensächlich. Die Wirkung folgt ein paar anderen Gesetzen.

„Ein Pin-up ist ein Bild, das üblicherweise eine Frau in erotischer Pose zeigt und an eine Wand geheftet wird“, das ist die Definition von Wikipedia. An die Wand geheftet, ist schon richtig, ich denke da eher an die Spindwand des Schraubers, aber egal.

Viel wichtiger ist die Unterscheidung zur pornographischen Darstellung. Pin-ups sind erotisch, und das war’s. Nix Offensichtliches, nichts Derbes. Pin-ups pflegen den feinen Ton. Wikipedia: „Selbst wenn scheinbar Einblicke gewährt werden (z.B. unter einen vom Wind empor gehobenen Rock), sind diese der Fantasie des Betrachters überlassen und bilden nichts wirklich deutlich ab.“

Insofern besteht die photographische Aufgabe darin, die Phantasie des Betrachters zu befeuern. Je weniger der Betrachter sieht, desto mehr muss er sich vorstellen; weniger ist also mehr. Normalerweise sind die Pin-up-Girls leicht bekleidet, anstatt dass sie nackt wären. Also muss die Kleidung ebenfalls in Szene gesetzt werden. Die Kleidung entscheidet über die Stimmung des Bildes. Die Kleidung muss gleichermaßen hauteng sein und offen beziehungsweise knapp oder halbtransparent. Eng anliegende Sportklamotten können also ebenso für ein Pin-up taugen wie ein knappes Kleid mit einem tiefen Ausschnitt. Allerdings taugt auch ein langer Rock. Vor allem im Sommer im Freien, wenn beispielsweise künstliches oder Sonnenlicht von hinten durchscheint und die gespreizten Beine hervorschimmern lässt.

Ein Pin-up wird „anklebenswert“ durch einen sehenswerten weiblichen Körper. Die Kleidung ist dann passend, wenn sie diesen Körper betont. Die Betonung des Körpers geschieht ebenfalls durch die Pose. Grundsätzlich geeignet ist ein Model, wenn es sich auch zeigen mag. Wenn sich Models eher widerwillig anschauen lassen, dann taugen sie entsprechend weniger für ein Pin-up. Zeigen heißt für ein Model, die eigenen Stärken extrovertiert vor der Kamera auszuleben. Das können die Beine sein, das kann der Schmollmund sein, das kann die Oberweite sein oder der Augenaufschlag. Ein interessierter Photograph erkennt diese Reize und nimmt sie in den Fokus.

Posing für ein Pin-up unterscheidet sich kaum vom Posieren für andere Gelegenheiten, sondern unterliegt den gleichen Regeln wie die gesamte Menschenphotographie, beispielsweise denen für das Vermeiden von unvorteilhaften Proportionen.

Mit meinem Model Maria habe ich mich dazu entschieden, sie auf den Knien abzulichten. Mein Bild im Kopf zeigte mir ein Raubtier, das sich anschleicht. Eine Katze, na, ja, irgendwie ein gängiges Klischee, aber das ist eben auch der einzige Sinn eines Pin-ups: gängige Vorstellungen von Männern zu bedienen. Als Perspektive blieb für die Raubtier-Idee nur eine Möglichkeit: die Froschperspektive, also die Photographie von unten nach oben.

Die Froschperspektive lässt das Abgebildete mächtig groß erscheinen, übermächtig. Eine Raubkatze wird in der Regel immer von leicht unten abgebildet, erst dann wirkt sie nämlich bedrohlich. Aus der Vogelperspektive sieht sie eher aus wie ein Schmusekätzchen. Allerdings kann ich auch mit der Schmuse-Intention ein Pin-up photographieren! Die Froschperspektive bietet allerdings noch einen weiteren Vorteil.

Arme und Beine werden durch die Sicht von unten länger. Durch diese optische Täuschung werden natürlich wieder Sehgewohnheiten bedient. Lange Arme und Beine entsprechen eher unserem Schönheitsideal, wirken also „hübscher“. Mein Modell Maria wendet daneben einen weiteren Kniff an: Sie hält die Hände so eng beieinander, dass ihre Oberarme die Oberweite etwas in den Vordergrund schieben. Auch damit bedient sie wieder das, was Männer sehen wollen und weswegen sie sich dieses Bild an die Wand kleben könnten. Das gleiche gilt für den Po. Auch der rückt durch die Haltung der Beine ins Blickfeld.

Die etwas breitere Beinhaltung lässt den Po nämlich richtig straff aussehen. Das wiederum wird unterstützt durch das knappe Kleid, das eng anliegt und der Kurve faltenfrei folgt. Hier wird weder ein körperlicher Vorzug verborgen noch bloßgelegt. Darin liegt die Essenz eines guten Pin-ups. Die Krönung aber ist die Mimik.

Wie bei jedem guten Portrait macht Maria ein Gesicht, das zum Hinschauen einlädt. Zum Thema Pin-up passt der keck zur Seite geneigte Kopf, der ja eigentlich dem direkten Blickkontakt ausweicht. Maria gibt sich also vordergründig scheu. Und das eben kontrastiert mit ihrer offensiven Körperhaltung. Perfekt! Das zündet die Phantasie an, ohne dass die Lichtführung irgendwie kompliziert sein müsste.

In Kategorie: Akt

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