Doc Eisenhauer war eine Hamburger Metal-Band der 90er-Jahre
Kommentare 0

Band-Photo I: Aller Anfang ist leicht

Band-Photos sind für mich eine enorme Herausforderung. Weil ich Gruppenaufnahmen eher weniger mag. Aber Bands stehen halt für einen Sound, für eine Dynamik und insofern ist ein Band-Photo für meinen Geschmack auch eher das Portrait einer zusammengehörigen Einheit. Und dieses Gesamtbild komprimiert wiederzugeben, finde ich ungemein spannend.

Jede Band hat ihre eigene Hierarchie – klar, meist spielen Schlagzeuger und Bassisten auch in der Darstellung eher Nebenrollen. Ist aber nicht zwingend und immer so, und jede Band will deshalb individuell aufgestellt werden. Die Schwierigkeit taucht also immer gleich am Anfang auf: Platziere ich die Musiker nebeneinander oder versetzt? Und welchen Look gebe ich? Welchen Stil spielt die Band denn überhaupt – Jazz, Pop, Metal? Fest steht, dass mit jeder Band alle Parameter immer wieder aufs Neue durcheinander gewirbelt werden.

Dann geht’s weiter: Wie baue ich denn mein Licht? Reicht überhaupt mein Equipment für vier bis fünf Leute? Und so weiter. Wichtig aber sind vor allem die Anforderungen an das Ergebnis. Sollte das Band-Photo für ein Cover geknipst werden, sollte ein geringes Budget vorhanden sein. Dafür könnten dann auch Lampen oder Reflektoren geliehen werden. Aber so hoch muss die Latte gar nicht gehängt werden.

Mein erstes Band-Photo für „Doc Eisenhauer“  habe ich Anfang der 90er-Jahre gemacht. Dia-Film in der Nikon F3, also Material, das sehr belichtungssensibel ist, kein Belichtungsmesser, kein künstliches Licht, kein Blitz, kein Aufheller, kein Visagist und grundsätzlich wenig Erfahrung mit der Sache an sich. Das Ergebnis war aber stimmig, weil die Gruppierung der Band von den Muckern selbst kam und insofern ganz flott von der Hand ging und die Stimmung innerhalb der Gruppe auch sehr gut abgebildet hat. Letztendlich haben wir klassisch den Sänger groß in den Vordergrund gerückt, bis es aufgrund des Weitwinkels verzerrt und komisch ausgesehen hätte. Der Rest der Combo hat sich im Hintergrund aufgeteilt. Die Köpfe reichten da. Ganz wichtig dagegen das großstädtische Setting, das die Band viel stärker charakterisiert hat, als wenn wir noch mehr Körper ins Bild genommen hätten.

Weil der Tag sehr sonnig war und die Ecke in Hamburg einigermaßen schattig lag, kam ein sehr gutes Ergebnis heraus. Grundsätzlich passte der Look des Graffiti-Hintergrunds sehr gut zur Band, die eben auch mit ihrer Herkunft aus der Hamburger Tattoo-Szene kokettiert hat. Also ein sehr authentisches Dokument, das mittlerweile seinen Charme auch aus der Körnung des alten Filmmaterials zieht.

Für Euch heißt das: Für ein vernünftiges Ergebnis braucht Ihr überhaupt kein großes Kino auffahren. Eure Idee, beziehungsweise die Botschaft des Bildes, sind deutlich wichtiger.

Schreibe eine Antwort