Klassischer Akt vor dörflicher Kulisse.
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Klassischer Akt: Adam und Eva gehen immer

In der Photographie zählen vor allem Sehgewohnheiten. Und da hast Du als Photograph nur zwei Möglichkeiten: Sehgewohnheiten bedienen oder bewusst verletzen. Bleibst Du da unentschlossen, wirst Du letztendlich lediglich ein Knipsbild hinbekommen. Photographieren bedeutet gestalten, und um diesen Schritt zu gehen, musst Du Dein Ziel kennen. Was willst Du also erreichen?

Sehgewohnheiten zu bedienen, ist der klassische Weg. Klassischer Weg heißt, dass wir liefern, was der Betrachter von uns erwartet. Verweigern wir uns den Sehgewohnheiten bewusst, provozieren wir. Wir liefern also Bilder, die den Betrachter überraschen und ihm eine Reaktion abverlangen, zumindest muss sich der Betrachter eine Meinung dazu bilden; wenn er bezweifelt, dass sich das lohnt, wird er am Bild schnell vorbeischauen. Erfüllen wir das, was der Betrachter erwartet, besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass er das Bild einfach nur mag. Und das wollen wir ja in der Regel, oder?

Die „klassische“ Aktphotographie hat vor allem mit Romantik zu tun, mit einem romantischen Verständnis von der Frau an sich, von Körperhaltungen, also den Posen, von Requisiten und von Hintergründen. Alle einzelnen Aspekte tragen dazu bei, dass der Betrachter das Gefühl bekommt, nach dem er sucht. Das Bild ist also ohnehin nur ein Auslöser, ein „Trigger“, für Vorstellungen, die sich im Kopf jedes einzelnen Betrachters zusammensetzen. Als Photograph bist Du also der Zünder für die Phantasien Deines Betrachters.

Die Sehgewohnheiten des klassischen Aktes – wie auch jedes anderen photographischen Vorhabens – verlangen von Dir insofern eine spezielle Planung und eine genaue Abstimmung mit Deinem Modell: Natürlich fordert ein klassischer Akt auch klassische Posen, also eher dezente, zurückhaltende Körperhaltungen. Gespreizte Beine sind da beispielsweise absolut kontraproduktiv und bedienen eher die Sehgewohnheiten bei Pin-Ups.

Wichtig auch der Hintergrund: Hier ein altes Bauernhaus in der Lüneburger Heide. Bauernhof, unberührte Idylle, Natur, die Farbe Grün für Vitalität und Frische, die leicht surreale Unschärfe, natürliches, weiches Licht, ein jugendlich-mädchenhafter Körper, der noch aufzublühen scheint – alles das setzt sich im Kopf des Betrachters zu einer Vorstellung von Paradies zusammen. Das ist eine klassische Vorstellung in der Kunst an sich und in der Photographie im Besonderen. Die Sehnsucht nach paradiesischen Zuständen steckt grundsätzlich in allen Menschen drin und findet sich in dem visuellen Wunsch nach Idylle wieder. Wenn Ihr das also bedient, macht Ihr schon mal sehr viel richtig.

Ich gebe zu, dass das Outfit des Modells stören könnte. Tatsächlich würde ein weißer weiter Rock die „weibliche Unschuld“ noch stärker betonen, als ein modernes sportliches Höschen. Außerdem verwirren die in den Höschen-Bund gesteckten Daumen. Aber in der Tat bleibt der Gesamteindruck romantisch und die „modernen“ Accessoires bilden sogar einen Kontrapunkt; sie geben dem einen modernen Charakter und machen es dadurch zeitlos. Obwohl es in der analogen Zeit geschossen wurde.

In Kategorie: Akt

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